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Auszeit vom Alltag
Mittlerweile hat es im Rummelsberger Raumerhaus gute
Tradition: Einmal im Jahr macht sich eine Gruppe Jugendlicher zusammen
mit ihren Betreuern auf, um gemeinsam ein Stück des Fränkischen
Jakobsweges zu gehen. Auch in diesem Jahr ließen sieben Jungen und drei
Pädagogen für drei Tage den Alltag hinter sich und begaben sich auf
Pilgerschaft. Für alle Beteiligten war es ein besonderes Erlebnis.
Ausgangspunkt der Reise war Heilsbronn. Dort besuchten die jungen Pilger
gemeinsam mit ihren Betreuern Diakon Thomas Grämmer, Andreas Taschka und
Diakon Alexander Berger das Münster. In dem im 12. Jahrhundert
errichteten Gotteshaus, das auch als Grabstätte des
Hohenzollerngeschlechts dient, bekamen die Rummelsberger Pilger ihre
Pilgerpässe ausgehändigt und empfingen den Pilgersegen.
Dann ging’s los. Schon die erste Etappe war eine echte Herausforderung.
Eine Strecke von 27 Kilometern galt es zu bewältigen, ehe das
Etappenziel des Tages – ein Gasthof in Lehrberg – erreicht war. Obwohl
in den Rucksäcken nur das Allernötigste verstaut war, machte sich die
Last nach einiger Zeit bemerkbar. Dazu kamen steile Anstiege und kühle
Regenschauer. Doch die Gruppe ließ sich nicht entmutigen.
Am nächsten Tag ging es bei schönstem Frühlingswetter weiter durch
malerische fränkische Dörfer nach Binswangen. Dort übernachteten die
Pilger auf einem Familienbauernhof. Die dritte und letzte Etappe führte
nach Rothenburg ob der Tauber. Vom Luginsland konnte die Pilgergruppe
einen herrlichen Ausblick ins Taubertal genießen.
In der Ferne waren schon die Türme von Rothenburg zu erkennen, doch die
letzten Kilometer bis zum Ziel schienen kein Ende zu nehmen. Dann war es
geschafft: Nach insgesamt 61 Kilometern war Rothenburg erreicht. Als die
sieben Pilger müde, aber glücklich die Jakobskirche in Rothenburg
betraten, wurde gerade eine Taufe gefeiert. „Genau in dem Augenblick
erklang feierliche Orgelmusik“, erinnert sich Diakon Thomas Grämmer.
„Das war ein besonderer Moment.“
Für Grämmer war es überraschend zu beobachten, wie sich in der relativ
kurzen Zeit das Gemeinschaftsgefühl zwischen den Jugendlichen
entwickelte: „Da wurden untereinander bereitwillig Proviant und Getränke
geteilt. Das kenne ich von den Jungs normalerweise gar nicht“, erzählt
der Pädagoge mit einem Lachen. Interessant war auch, wie schnell der
Alltag auf der Pilgerschaft in den Hintergrund trat. Die Jugendlichen
nahmen ihre Umwelt viel intensiver wahr, beispielsweise den Kontrast
zwischen der Stille des Waldes und der geräuschvollen Betriebsamkeit
einer Stadt.
Diakon Grämmer ist überzeugt, dass sich die Jugendlichen an die drei
Tage lange erinnern werden: „Alle waren stolz, wenn sie einen neuen
Stempel in ihren Pilgerpass bekommen haben. Auch das Gefühl, Pilger zu
sein, unterwegs auf dem Weg, der irgendwann am Grab des Heiligen Jakobs
in Santiago de Compostela endet – das ist schon etwas Besonderes.“
Täglich etwa 20 Kilometern zu Fuß trotz Gepäck zu bewältigen, war eine
positive Grenzerfahrung und stärkte das Vertrauen der Jugendlichen in
das eigene Leistungsvermögen. Während des Pilgerns haben sie sich auch
selbst kennengelernt, denn zu Beginn jeder Etappe bekamen die jungen
Pilger einen Tagesimpuls zum Nachdenken mit auf den Weg. Dass das
Raumerhaus das Pilgern auf dem Jakobsweg dieses Jahr wieder anbieten
konnte, ist auch der Großzügigkeit des Dekanats Uffenheim und der
Stiftung „Lebenskraft & Energie“ zu verdanken. Sie hatten das Projekt
mit Spenden unterstützt.
Hubert Hiecke
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Glücklich am Ziel: Die jungen Pilger aus Rummelsberg zusammen mit ihren
Betreuern Alexander Berger (li.), Andreas Taschka (2. v. li.) und Diakon
Thomas Grämmer (2. v. re.) vor einer Pilgerstatue in Rothenburg ob der
Tauber. Foto: RDJ
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